Sein Wirken

Kap_3-4(10)Mbec_(Foto3)Radierung.JPG

Bechsteinfledermaus | Kolorierte Radierung um 1818

Johann Matthäus Bechstein – Ein Pionier der Naturwissenschaften

Neben seinen großen Verdiensten für die Forst- und Jagdwissenschaften, hat Bechstein auf vielen naturwissenschaftlichen Gebieten Pionierarbeit geleistet. Dazu zählen u.a. die Säugetierkunde sowie die Ornithologie und die Entomologie.

Dabei war er ein akribischer Beobachter und Beschreiber der Natur seiner Zeit. So kann man noch heute seine Beobachtungen auch von Fledermäusen im reichen literarischen Schaffen mit Gewinn lesen.

Bei seinen Beschreibungen hat er dabei konsequent die von Linné eingeführte binäre Nomenklatur angewendet. Dies ermöglicht es uns auch nach 200 Jahren, viele seiner Angaben den heute gebräuchlichen Artnamen zuzuordnen. Zahlreiche Tierarten beschrieb Bechstein erstmals wissenschaftlich und führte viele noch heute verwendete deutsche Namen ein.

So unterschied Bechstein als Erster die Kleine von der Großen Hufeisennase. Beide kannte er gut aus seiner thüringischen Heimat. Anders als viele Zeitgenossen ging er bei seinen Erstbeschreibungen sehr zögerlich und gewissenhaft vor. So findet sich bereits 1789 ein erster Hinweis auf zwei „Sorten“ der „Fledermaus mit der Hufeisennase. Vespertilio Ferrum equinum“ in seiner „Gemeinnützige Naturgeschichte Deutschlands nach allen drey Reichen“. Erst elf Jahre später folgte die Erstbeschreibung der Kleinen Hufeisennase Vespertilio Hipposideros. Sie ist heute bekannt unter dem wissenschaftlichen Namen Rhinolophus hipposideros Bechstein 1800.

Ein großes Verdienst Bechsteins ist seine konsequente Forderung nach dem Schutz heimischer Fledermäuse. So setzte er sich bereits in einer seiner ersten Publikationen, der „Musterung aller schädlichen Tiere“ (Bechstein 1792) für ihre Schonung ein. Dabei verwies er unter anderem auf die Unsitte der Jäger „besonders da er sich an ihnen so schön im Flugschießen üben kann, sie zu töden“. Er begründete seinen Einsatz für Fledermäuse mit ihrer Nützlichkeit. Wie anderen Tierarten auch, hätten Fledermäuse ihren berechtigten Platz in der Natur. Diese Ansicht war damals, als die meisten Arten in großer Fülle vorkamen, nicht selbstverständlich. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk.

Um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, baute Bechstein ein dichtes Netzwerk auf. So unterhielt er Kontakte zum „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm, dem Ornithologen Johann Friedrich Naumann und dem Forstmeister Heinrich Cotta.

Schließlich war es Johann Phillip Archilles Leisler (1772 – 1813) aus dem hessischen Hanau, der einer heimischen Fledermausart ihm zu Ehren den Namen Bechsteinfledermaus verlieh.

Die wissenschaftlichen Leistungen bescherten Bechstein zahlreichen Ehrungen und Anerkennungen. Dies belegen Mitgliedschaften in vielen wissenschaftlicher Vereinigungen seiner Zeit.