Bewerbung 09

Der alte Quartierteil im Sportkomplex an der Vollersdorfer Straße in Gera.

Untere Naturschutzbehörde Gera für die Umsetzung des Projektes „Erhalt und Aufwertung eines Wochenstubenquartiers der Mückenfledermaus“


 

Ort der Umsetzung: Gera

Von der Maßnahme geförderte Arten: Mückenfledermäuse und weitere Gebäude bewohnende Fledermausarten

Projektpartner: IFT e.V., Stadt Gera, „Elstertal“ – Infraprojekt GmbH Gera, IBG Ingenieurbüro Gerold, SAALESAATEN Halle sowie weitere beauftragte Firmen

Finanziert durch: 100 % Förderung durch den Freistaat Thüringen, Landesamt für Bau und Verkehr im Rahmen des „Aufbauhilfeprogramms zur Wiederherstellung der Infrastruktur in den Gemeinden infolge des Hochwassers vom 18. Mai bis zum 04. Juli 2013 in Thüringen“ (483.500 €)

Der Komplex während der umfangreichen Abrissarbeiten.

Projektbeschreibung: Das betroffene Wochenstubenquartier der Mückenfledermaus gehört zu den wenigen derzeit in Thüringen bekannten Fortpflanzungsstätten für diese Art und beherbergt während der Wochenstubenzeit über 1.000 Tiere.  Es befindet sich in einem Gebäudeteil eines kommunalen Sportkomplexes unmittelbar angrenzend an den Geraer Stadtwald (FFH-Gebiet) im Auenbereich der Weißen Elster. Aufgrund der Hochwasserschäden im Jahr 2013 und seiner Lage in einem Erdfallgebiet war ein Komplettabriss vorgesehen, entsprechend der artenschutzrechtlichen Erfordernisse waren der betroffene Gebäudeteil und die vorhandenen, für die Quartiernutzung essentiellen Leitstrukturen (Großgehölze) zu erhalten. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde das insgesamt 1,7 ha große Grundstück nach gesamtökologischen Gesichtspunkten renaturiert. Ziel war die Neuanlage eines Mosaiks aus artenreichen Offenlandbiotopen auf feucht/frischen bis trockenen Standorten, das durch Standgewässer, Hecken, Totholz- und Steinhaufen strukturell aufgewertet wurde und sich im unmittelbaren Umfeld des Wochenstubenquartiers als hochwertiges Jagdhabitat entwickeln soll. Außer für Fledermäuse wurden damit auch für andere Offenland nutzende Artengruppen wie Vögel, Amphibien, Reptilien, Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken, Libellen etc. potentielle Lebensräume geschaffen. Darüber hinaus wurde das Restgebäude mit unterschiedlichen Quartierangeboten für Fledermäuse (und auch Mehlschwalben) umgestaltet.

Der erhaltene Gebäudeteil nach Abschluss der Maßnahmen inmitten des neu gestalteten Außenbereichs.

Durch die Einhaltung „fledermausfreundlicher“ Bauzeiten war das Quartier während der gesamten Zeit der Abriss- und Sanierungsarbeiten besetzt (ca. 800 Tiere Mitte Juli). Der Unterhalt der Wiesenbiotope soll zukünftig durch eine extensive Nutzung (zwei- bis dreischürige Mahd) zur Futtergewinnung durch den nahegelegenen Geraer Waldzoo sichergestellt werden.

Sonstige Angaben: Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die UNB ursprünglich lediglich angehalten war, die Wochenstube zu erhalten. Angedacht war rein der Rückbau aller ober- und unterirdischen baulichen Anlagen, die Entsiegelung und der Austausch schadstoffbelasteter Böden. Im Zuge der Umsetzung der ersten Maßnahmen reifte die Überlegung das gesamte Grundstück nach rein artenschutzfachlichen Gesichtspunkten und auf Grundlage der örtlichen Gegebenheiten umzugestalten. Zusätzlich erfolgte auch ein fledermausfreundlicher Umbau des zu erhaltenden Gebäudeteils mit erweiterten Quartiermöglichkeiten für gebäudebewohnende Fledermausarten (Zumauern der Fenster, Einbau verschiedener Quartiersteine, Schaffung von Einflugmöglichkeiten ins Gebäude). Dies war nur aufgrund der außerordentlich guten und konstruktiven Zusammenarbeit der beteiligten und für den Arten- und Naturschutz offenen Akteure möglich. Weiterhin ist zukünftig vorgesehen, das Gesamtprojekt für die Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Artenschutz zu nutzen.